27. März 2020

Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen? Ich, der HERR, kann das Herz ergründen und die Nieren prüfen und gebe einem jeden nach seinem Tun.

Jeremia 17,9-10

Daran erkennen wir, dass wir aus der Wahrheit sind, und können vor ihm unser Herz überzeugen, dass, wenn uns unser Herz verdammt, Gott größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge.

1.Johannes 3,19-20

Die Verlockung ist groß – oder zumindest da. Nämlich diese etwas schwerer zu lesenden Zeilen und Gedanken zum Anlass zu nehmen, doch etwas weiter auszuholen über all das, was ergründet und geprüft oder auch verbessert werden kann. Oder auch auf den neuesten Stand gebracht oder geputzt und aufpoliert werden müsste.

Die Verlockung ist da, denn heute ist Freitag, und Freitag ist bei uns aber nun Haus- und Hoftag und damit auch Putztag. Aber wenn man so wichtige Dinge zu erledigen hat wie ich mit diesem Blog …. Zumal meine Frau auch noch was von Fensterputzen gemurmelt hat.

Nein, ich entscheide mich für den Alltag, denn der muss geregelt sein und bleiben, weil das Leben auch Struktur braucht. Und sei es die der regelmäßigen Reinigung. Dazu – nicht zu vergessen – das Gießen. Das ist auch der Grund für das Bild, das unsere diversen Zucchini- und Tomatenpflanzen zeigt, die ich alle aus Samen gezogen habe.

26. März 2020

Ich bekenne meine Schuld, bekümmert bin ich meiner Sünde wegen.
Psalm 38,19

Die Traurigkeit nach Gottes Willen wirkt zur Seligkeit eine Umkehr, die niemanden reut.
2. Korinther 7,10

Fehlverhalten, Sünde und Schuld, Umkehr und Änderung, neben der Leidensgeschichte Jesu die Themen der Passionszeit.
Doch wenn ich auf einmal in Zeiten wie diesen von selbsternannten Unheilspropheten lese oder höre, der grassierende Virus sei eine Strafe Gottes, dann graust es mir. Vor solchen Leuten, die anscheinend ihren Sadismus kanalisieren müssen, und es graust mir auch vor diesem Gottesbild. So möchte ich ihn nicht sehen, und so ist er auch nicht. Selbst wenn uns manchmal mehr zugemutet wird, als wir verstehen und begreifen oder auch ertragen können.

Seit Mitte des 17. Jahrhunderts wird hier in Bad Westernkotten der Lobetag begangen, eine Prozession um und durch den Ort als Antwort oder auch Reaktion auf die große Pest, die damals fast die ganze Bevölkerung dahingerafft hat. Denn man sah die Pest als Strafe Gottes an, die Texte dazu aus dem Lobetagsbrief sind stellenweise und für unsere Ohren nur schwer anzuhören.

Zu einer der Stationen der Lobetagsprozession führt mich mein Weg fast jeden Morgen, der Josefslinde mit dem entsprechenden Bildstock. Genau dieser Bildstock (das Relief zeigt Josef mit Jesus auf dem Arm) aber korrigiert für mich das gerade angesprochene Gottesbild, weil er erzählt: Du bist und bleibst gehalten, und du kannst nicht tiefer fallen als in seinen Arm oder seine Hand. Auch jetzt.

Bleibt aber immer noch das Stichwort Umkehr und Änderung, gerade jetzt. Denn was wird diese Zeit aus uns machen? Oder was lassen wir aus uns machen?
Werden wir egoistischer oder sozialer und empfindsamer sein?
Werden wir wieder lernen, Leben zu schätzen und nicht zu fordern?
Wer wird profitieren? Etwa die, die jetzt schon am lautesten jammern?
Wird es danach ohne Bargeld weitergehen, wenn jetzt schon nach Möglichkeit mit Karte bezahlt werden muss?
Werden Kunst und Kultur sich in einer vielleicht folgenden Krise bei den Finanzierungen so weit hinten anstellen müssen, dass sie auf der Strecke bleiben?
Wird das der Anfang vom Ende der Populisten, die ja jetzt wirklich keine „Alternative“ anzubieten haben? Oder kommen der starke Mann und der starke Staat zurück? Siehe Herrn Orban und sein Ansatz in Ungarn.

Und, ich kann da ja doch nicht aus meiner Haut heraus, doch darum wenigstens ein neuer Abschnitt:
Wird es danach wieder Klopapier geben, oder macht diese Industrie dann Kurzarbeit bis 2050?
Wird es – ähnlich wie nach der Fußball-WM 2006 in neun Monaten einen Baby-Boom geben?

25. März 2020

Tageslosung

Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht! und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts!
Jesaja 29,16

Alle miteinander bekleidet euch mit Demut.
1. Petrus 5,5

Heute einmal beides, Tageslosung und sog. Lehrtext. Denn das entscheidende Stichwort für mich steht am Ende:
Demut.

Zu Anfang meines Dienstes habe ich in der Gemeinde jede und jeden zum 70. Geburtstag besucht. 70 Jahre, das war damals schon was. Der Gruß der Gemeinde samt Glückwunsch war aber nur das eine. Das andere war der Gedanke, diejenigen kennenzulernen, die ich früher oder später zu Grabe geleiten würde. Denn die Männer bei uns wurden damals knapp 65 Jahre alt, die Frauen knapp 75.
Jahre später habe ich das dann eingestellt. 70 zu werden war inzwischen fast schon eine Selbstverständlichkeit, und der Besuch des Pastors oft kaum noch Grund zur Freude: „Jetzt kommt schon der Pastor. So weit ist es mit mir.“

Inzwischen bin ich selbst in diesem Alter. Im Vergleich zu meinen Eltern – meine Mutter gar nicht so alt geworden, mein Vater da schon Pflegefall – bin ich richtig gut drauf. Und ich weiß das und bin auch dankbar dafür. Auf einmal ab er muss ich in der Corona-Krise erfahren, dass ich zur Risikogruppe gehöre. Einige lassen mich das auch merken, ob es mir passt und gefällt oder nicht. Und ich oder wir haben doch immer gedacht: „Das mit dem Alter, das betrifft uns doch nicht.“

Allerdings: „Wenn du mit 50 aufwachst, und dir tut nichts weh, dann bist du tot.“ Vor 20 Jahren habe ich darüber noch gelacht. Heute eher weniger, auch wenn es mir und meiner Generation so viel besser geht als der unserer Eltern.
Damit bin ich – langer Vorspann – bei der oben angesprochenen Demut. Dankbar zu sein über jedes geschenkte Stück Leben und nicht so viel als selbstverständlich ansehen oder sogar einfordern. Und zufrieden sein, solange ER das schenkt.

Trotzdem möchte ich mir das nicht ständig von irgendwelchen belanglosen Bildchen oder Filmchen oder Aktiönchen sagen lassen. Die erinnern mich in manchen Teilen zu sehr an Durchhaltepropaganda aus unguten Zeiten, die oft nur verschleiert haben. Und ich erkenne zugleich den Wert u. a. der Poesie.
Darum ein Vers von Dylan Thomas, den meine Frau gefunden hat, und der mir nicht zuletzt auch bei der letzten Beerdigung weitergeholfen hat:

Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.
Die da liegen in Wassergewinden im Meer
Sollen nicht sterben windig und leer;
Nicht brechen die die ans Rad man flicht,
Die am Rechen man bricht, deren Sehnen man zerrt:
Ob der Glaube auch splittert in ihrer Hand
Und ob sie das Einhorn des Bösen durchrennt,
Aller Enden zerspellt, sie zerreißen nicht;
Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.

24. März 2020

Tageslosung 
Der HERR ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken.
Psalm 145,17

Eine neue Kategorie auf meiner Homepage, geschuldet dieser virengeplagten Zeit und meinem Wunsch, meine eigenen Gedanken zu sammeln und zu ordnen und manchmal auch zu bewerten.

Ein Dank an meinen Admin Ralf, der mir das eingestellt hat. Und falls jemand eine Rückmeldung geben möchte …

Zur Tageslosung heute nur die Bemerkung, dass da einer ist, der größer ist als unser kleines Leben, der es immer noch gut mit uns meint, der weiß, was er tut. Und dass uns das schon eine gewisse Gelassenheit und Zuversicht geben kann.

3 Gespräche in diesen Tagen.

Das erste Gespräch im Feld beim Gang mit dem Hund.
„Sag mal, was sagt eigentlich dein Chef zu all diesen Sachen und der Pandemie?“ Die Person weiß um meinen alten Beruf.
Ich zögere, denn alles, was mir spontan einfällt, scheint mir nicht richtig zu sein:
“ … dass die Leute selbst auslöffeln sollten, was sie sich da eingebrockt haben.“
“ … und warum soll er immer für alles verantwortlich sein, und warum wird er nur oder erst dann gefragt oder gebraucht, wenn alles den Bach runter geht?“
“ … da die Leute doch nur das hören wollen, was sie hören möchten. Du doch auch.“
Ich behalte das alles für mich und rate zu mehr Gelassenheit. Denn je mehr Befürchtungen und Ängste man hat, desto wahrscheinlicher wird, dass irgendwas davon eintritt und uns trifft. Das hat auch was mit Gottvertrauen zu tun.
Tasso – unserem Hund – ist das egal, der schnuppert und freut sich der Freiheit. Er hat sie noch ganz.

Das zweite Gespräch am Telefon mitgehört.
„Ja, Toilettenpapier war mal wieder alle.“
„Sag mal, wie lange reicht eigentlich eine Rolle?“
„Man rechnet pro Person eine Woche. Vorausgesetzt alles `läuft` normal.“

Das dritte Gespräch, auch über Telefon.
„Er sagt, das sei doch jetzt für ihn nichts Besonderes. Er sei doch auch sonst fast immer allein. Oder auf sich gestellt. Oder einsam.“
„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“ So die Schöpfungsgeschichte. Da ist was dran. Nicht nur in diesen Zeiten, wir sollten uns danach daran erinnern.