11. April 2020

Tageslosung

Ach, HERR, wenn unsre Sünden uns verklagen, so hilf doch um deines Namens willen!

Jeremia 14,7

Christus hat unsre Sünden selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben.

1. Petrus 2,24

„Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!“
(Aus dem „Osterspaziergang“ von J. W. v. Goethe)

Das kann ich im Augenblick von mir nicht so richtig sagen, denn je länger die Beschränkungen bestehen bleiben, desto deutlicher merke ich sie. Und ich ertappe mich schon dabei, nach kleinen Listen oder Ausreden zu suchen, sie umgehen zu können.
Außerdem, und das stimmt mich auch nicht fröhlicher, lassen ja manche eine Art von Menschsein raushängen, die mir manchmal schon den Glauben an das Gute im Menschen und seinen rechten Gebrauch der Freiheit nimmt.
Insbesondere der Meinungsfreiheit. Ich weiß, das Thema hatten wir schon, aber es hat sich nicht erledigt. Für die Leserbriefseite der Zeitung kann ich dem ja noch etwas Gutes abgewinnen. Es hilft der Presse, Spalten und Seiten zu füllen und vor allem auch und hoffentlich zu überleben.
Bei allem, was uns da durchs Internet um die Ohren und ins Smartphone fliegt, bin ich da nicht so optimistisch oder positiv eingestellt. Was das arme Netz so alles tragen und ertragen und transportieren muss. Aber das Netz kann ja nichts dafür.
Und wenn ich mitbekomme, wie die Mächtigen z. B. in China oder der Türkei oder auch in Russland aus Angst vor der Macht aber auch der Wut der Unterdrückten das Netz ab und an einstellen oder einschränken, dann soll das Netz bleiben. Muss es. Nur manche Inhalte eben …

Sie merken, die Tageslosung und den Karsamstag und die Isolation und das, was das aus und mit Menschen macht, so richtig gebündelt bekomme ich das heute nicht. Wie also finde ich da einen Einstieg in dieses Osterwochenende, der mich etwas beschäftigt und meine kleinen grauen Zellen vor dem Eingelullt-Werden bewahrt, meinen Gedanken etwas Weite und der Kultur und damit auch der Tiefe etwas Raum gibt?

Meine Frau hat mal wieder wie so oft einen guten Gedanken gehabt: Den „Osterspiergang“ von Goethe auswendig lernen. Damit sie nicht allzu lange suchen müssen, oder falls sie ihren „Faust“ nach der Schulzeit leider Gottes dem Altpapier übergeben haben sollten:

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

Meine Frau hat es übrigens schon gemacht, sie har es auswendig gelernt. Bei mir dauert es noch. Und sie können sich ja im Kreis der Familie morgen gegenseitig abfragen. Nach Ostereiern suchen können alle, aber nach den richtigen Worten?

10. April 2020

Tageslosung

Wohl dem, der den HERRN fürchtet, der große Freude hat an seinen Geboten!

Psalm 112,1

Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

1. Petrus 2,24-25

Ausgerechnet am Karfreitag kann ich der Situation einen eher positiven Aspekt abgewinnen. Nicht nur, dass der sogenannte „Car-Freitag“, eine ziemliche sinnentleerte Raserei und Protzerei mit dem Auto und das nicht nur am Kamener Kreuz, heute entfällt. Hoffentlich. Da wird nicht nur die Polizei aufatmen.
Sondern auch die in den vorherigen Jahren regelmäßig angestoßene Diskussion entfällt, ob man den Karfreitag nun wirklich als stillen Feiertag achten und beibehalten müsse. Ich bin mir aber fast sicher, nach der Krise wird das wiederkommen, angestoßen von Leuten, die für sich alle Freiheiten haben und auskosten möchten, dies aber ohne Konsequenzen, auch ohne Empathie für andere Menschen und nicht zuletzt deren religiösen Gefühle. Dabei bin ich mir sicher, die würden mit am lautesten schreien, würde der Karfreitag ganz abgeschafft.
Aber seit solche Einstellungen sogar als „Partei“ ins Europaparlament gewählt wurden …

Wobei mich das auf einen weiteren Gedanken bringt, auch wenn ich selber da keine Verbindung zu den beiden Schächern neben dem Kreuz ziehen würde. Aber in solchen Zeiten wie jetzt da treten doch bestimmte Eigenschaften der Menschen besonders heraus. Und indem sie herauskommen, verstärken sie sich noch. Wer vorher ein netter oder lieber oder freundlicher oder umgänglicher Mensch war, der ist es oder wird es jetzt um so mehr. Und wer vorher eine menschliche Nullnummer oder Fehlbesetzung war, der oder die ist oder wird es jetzt um so mehr. Schauen sie sich mal um in Politik, im Supermarkt, beim Spaziergang oder auch in der Nachbarschaft.

Vor allem aber vergessen sie den Karfreitag nicht mit seiner Zusage oder Botschaft, siehe vor allem den zweiten Vers des Tages.
Und denken sie auch an die, für die heute auch und immer noch Karfreitag ist, darum das Gedicht nach dem Bild.

Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang. 

Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind. 

Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind? 

Allein im Nebel tast ich tot entlang 

Und lass mich willig in das Dunkel treiben. 

Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben. 

Der weiß es wohl, dem Gleiches widerfuhr, 

Und die es trugen mögen mir vergeben. 

Bedenkt: Den eignen Tod, den stirbt man nur, 

doch mit dem Tod der anderen muss man leben. 

(Mascha Kaleko)

9. April 2020

Tageslosung

Lasst uns gehen, den HERRN anzuflehen und zu suchen den HERRN Zebaoth; wir wollen mit euch gehen.

Sacharja 8,21

Als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

Markus 14,26

Seit ich weiß, dass das schöne deutsche Wort „Kindergarten“ Eingang in die englische Sprache gefunden hat, kann ich auch mit Anglizismen bei uns viel besser umgehen, vor allem dann, wenn sie auch größere Inhalte oder Sachverhalte in nur einem Wort auf den Punkt bringen. Das aktuellste Beispiel dafür ist für mich der Begriff „Prepper“, aktuell sogar im doppelten Sinn.
Prepper (to prepare – sich bereiten oder vorbereiten) beschreibt Personen, die sich auf jegliche Art von Katastrophe vorbereiten, von der Einlagerung von Lebensmittelvorräten und medizinischen Dingen auch in größerem Maße bis hin zur Errichtung von Bunkern oder Schutzvorrichtungen, teils noch militärisch ausgerüstet. So glauben sie, gegen jegliche Art von Katastrophe gerüstet zu sein. Glauben sie. Womit wir an sich schon wieder beim Hamstern von Klopapier wären.
Wenn da nicht noch ein zweiter Gedanke wäre, nämlich wie sehr und manchmal erbärmlich Leute an ihrem kleinen bisschen Leben hängen können. Ich jedenfalls – um ehrlich zu sein, der Gedanke stammt eigentlich von meiner Frau – ich jedenfalls möchte nicht nach einer Katastrophe oder so einer Art Weltuntergang aus meinem Bunker kriechen, Lebensmittel usw. ohne Ende haben und dabei der oder die letzte und völlig allein sein. Das stelle ich mir schrecklich vor.

Diese Überlegungen kommen mir in den Sinn, wenn ich gerade in den Tagen vor Ostern höre und lese, was die Gemeinden so alles an Angeboten haben. Von der Andacht über den Gottesdienst sogar mit dem eigenen Pfarrer oder der Pfarrerin bis hin zum virtuellen Abendmahl ist alles dabei. Aber eben virtuell, wie man sagt. Man sitzt allein in seinen 4 Wänden, eventuell noch mit Familie, schaut auf einen Bildschirm, und das ist es dann.

Und ich finde, die wirkliche Nähe eines wirklichen Menschen ist durch nichts zu ersetzen, auch und gerade nicht in der Gemeinschaft mit Gott und vor Gott, siehe Tageslosung.

Menschen sind doch das Beste, was der liebe Gott für uns gemacht hat. Und die brauche ich real, selbst wenn es auf Abstand von 1,50m bis 2,00m ist. Obwohl da meine Geduld heute morgen beim Bäcker auf eine arge Probe gestellt und meine Rentner-Solidarität doch arg gefordert war. Eine sehr ältere Dame mit sehr viel Liebe zum Detail und sehr unschlüssig, ob sie denn nun die halbe oder doch die ganze Bäckerei kaufen wollte, sorgte für eine längere Schlange, die zwar nicht aus Bad Westernkotten hinausreichte, so klein sind wir ja doch nicht, die aber bei den Wartenden nicht unbedingt für gute Laune sorgte. Aber dann doch wieder für eine gewisse Solidarität und Nähe, in die sogar ich trotz meines Alters einbezogen war. Und außerdem hatte ich was erlebt und konnte zu Hause wieder was aus der großen weiten Welt berichten.

Ich brauche Menschen in meiner Nähe. Und werde mir heute Abend aber auch den Gottesdienst mit virtuellem Abendmahl unserer Gemeinde ansehe. Und den Fernsehgottesdienst am Ostermontag in der ARD, denn der wird von „Herrmanns Blech“ mitgestaltet, eine Bläsergruppe, in der auch mein Posaunenlehrer und unser Posaunenchorleiter Kalin Hadzhipopov mitspielt. Und die machen eine tolle Musik.

Also, den Durchblick behalten, wie bei diesem Motiv aus Kallenhardt.

8. April 2020

Tageslosung

Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus.

Psalm 51,14

Eure Traurigkeit soll zur Freude werden.

Johannes 16,20

Gegen den Trend hoffen und arbeiten, sich nicht unterkriegen lassen, antizyklisch handeln, mit einem guten Ausgang der Dinge rechnen, weil: Siehe Tageslosung. Ohne das geht es nicht in diesen Zeiten.
Mein Lieblingsmotto ist da noch ein anderes. „Selbst wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Martin Luther werden diese Worte zugeschrieben, ob sie wirklich von ihm stammen ist nicht herauszubekommen. Mir selbst ist das egal, ich finde, es passt zu ihm, und mir gefällt das.

Also sind wir gestern in den Gartenmarkt gefahren, mal schnell noch ein paar Pflanzen holen. Mal schnell, dachten wir. Der Parkplatz kurz vor der Überfüllung. Einlassbeschränkung vor dem Markt selbst, also Warten auf den nächsten freien Einkaufswagen. Und drinnen lange Gesichter, jedenfalls bei mir. Alle mögliche und unmögliche Osterdeko, inzwischen herabgesetzt. 1000 Sachen, die die Welt nicht braucht, die es aber trotzdem gibt. Meine These, dass der Homo Sapiens inzwischen zum Homo Dekorativus mutiert ist, wieder mal bestätigt.
Aber keine Gurke, die man hätte kaufen können. Leergbrannt war diese Stätte, und was da vor sich hinkümmerte, das war so mickrig, dass einem die Tränen kamen. Wenigsten ein paar Sellerie- und Fenchelpflanzen haben wir dann noch ergattert. Von wegen Hamstern von Klopapier.

Also noch in den nächsten Gartenmarkt, und auch hier dasselbe Bild einschließlich der Tatsache, dass Scharen und Legionen von Rentnern in den Gängen drinnen wie draußen das Aus-dem-Weg-gehen schwer machten. Die Rentner haben einfach zu viel Zeit.

Zu Hause habe ich dann Gemüse gesät: Salat, dessen Samen mir eine Freundin aus Sizilien mitgebracht hatte (das waren ungefähr 1000 Körnchen, bei 100 habe ich Schluss gemacht), Rote Bete, Basilikum, Gurken und schließlich noch weiße Mairübchen und Roter Rettich namens „Ostergruß“. Glücklicherweise hatte ich alles schon früher eingekauft.
Jetzt frage ich mich nur noch, was weiße Mairübchen sind oder werden sollen, wenn sie was werden. Immerhin gibt es viele Rezepte dazu. Und ich bin mir auch noch nicht darüber im Klaren, was mit oder aus den Rüben wird. Und warum die Ostergruß heißen, wenn sie erst im Sommer erntereif sind.
Vielleicht muss ich dann ja doch im Sommer einen kleinen Verkaufsstand vor dem Haus aufbauen. (Mit Weinverkostung?) Ich annonciere rechtzeitig.

Spätestens dann wird mir die Tageslosung wieder einfallen. Oder auch der Satz Martin Luthers, der übrigens auf dem Kirchengrundstück in Erwitte an der B 1 aus Richtung Soest kommend etwa 100 m vor der Kreuzung zu lesen ist.

7. April 2020

Tageslosung

Der HERR, der König Israels, ist bei dir, dass du dich vor keinem Unheil mehr fürchten musst.

Zefanja 3,15

Jesus sprach zu den Jüngern: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?

Markus 4,40

Ich müsste heute schon wieder die Welt retten. Ich sollte das sogar, das weiß ich spätestens wieder nach einem Blick auf die Leserbriefseite unserer Tageszeitung. Was da alles gewusst und gekonnt und verlangt und vorgeschlagen wird, das könnte ich doch auch.
Heute zitiert jemand dort Antonius von Padua. Der kann sich ja nicht mehr wehren:
„Gottes Schutz scheint uns leicht entbehrlich, solange wir ihn besitzen. Zu unserem eigenen Nutzen und Wohl entzieht ihn Gott zuweilen, damit wir erkennen, dass ohne Gottes Schutz der Mensch ein reines Nichts ist.“

„Da rollen sich einem ja die Fußnägel auf.“ Auch ein Zitat, diesmal von Frank Zander, wobei sich eifrige Leser oder Leserinnen dieses Blogs vielleicht noch an meine bereits erwähnte Affinität zu einer manchmal etwas derberen Sprache erinnern.
So viel Sadismus oder Menschenfeindlichkeit, so wenig Barmherzigkeit oder Liebe zu den Menschen, was will man damit erreichen? Oder in welchen Glauben an einen schlechtgelaunten Rachegott will man die Menschen da treiben oder hineinzwingen? In meinen Kopf geht das nicht rein.

Also, an die, die gerade in solchen Zeiten für so etwas anfällig sind: Schaut euch mal genau den zweiten Vers der heutigen Tageslosung an.
Und an all die anderen: Nehmt nicht die Kopien oder Zitate, bleibt beim Original und orientiert euch daran. Und das ist oben zu lesen. Das meint euch und das gilt euch.

Klar, wie der liebe Gott das dann werden lassen wird, das müssen wir schon ihm überlassen. Aber seit gestern bei uns im Garten schon die Pfingstrosen (Päonie klingt eigentlich noch besser) aufgeblüht sind, bin ich mir sicher, dass es mit uns und dieser Welt weitergeht.

Und dann doch noch mal zur Zeitung von heute, zu den erfreulicheren Seiten, auf die Kinderseite. Denn was für Kinder gut ist, ist es für Erwachsene schon lange. Ein Gespräch zweier Kinder.
„Mein kleiner Bruder wird Mittwoch getauft.“
„Mittwoch ist aber ein komischer Vorname.“